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Russland wird erstmals seit 2022 WM-Gastgeber in olympischer Sportart

Elisa de Oliveira Brinkhoff
30. Oktober 2026

Die Gewichtheber-WM 2030 wird in Russland stattfinden. Während der Weltverband IWF die Vergabe nach Moskau verteidigt, kündigt die Ukraine Einsprüche gegen die Entscheidung an. Klare Kritik kommt vom deutschen Verband.

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Gewichtheber Gor Sahakjan aus Armenien stemmt ein Gewicht
Von IWF-Wettbewerben waren russische Athletinnen und Athleten zeitweise ausgeschlossen - das ändert sich jetztBild: He Canling/Xinhua/IMAGO

Trotz des fortwährenden Angriffskrieges in der Ukraine wird Russland 2030 die Weltmeisterschaften im Gewichtheben austragen. Das entschied der Internationale Gewichtheberverband IWF und sorgte damit international für Aufsehen. In Medienberichten als "Tabubruch" bezeichnet, handelt es sich um das erste Mal seit 2022, dass ein olympischer Fachverband Russland die Ausrichtung eines sportlichen Weltereignisses überträgt. Stattfinden soll die WM in Moskau, sie dient gleichzeitig als Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2032 in Brisbane in Australien.

Nach Abschluss der Abstimmung des Exekutivkomitees, die zudem Ahmedabad in Indien als Austragungsort der IWF-WM 2029 festlegte, zeigte sich IWF-Generalsekretär José Quinones zufrieden mit dem Ergebnis. Die Bewerbungen der zukünftigen Ausrichter seien "exzellent" gewesen. "Wir sind sicher, dass die Weltmeisterschaften in den jeweiligen Ländern ein großer Erfolg werden."

Der Chef des russischen Gewichtheberverbands, Alexander Winokurow, im Porträt
Alexander Winokurow, Präsident des russischen Gewichtheberverbands, hält sein Land für die Weltmeisterschaft geeignetBild: Alexander Shcherbak/ZUMA/IMAGO

Auf Telegram dankte der Präsident des russischen Gewichtheberverbandes, Alexander Winokurow, der IWF "für das entgegengebrachte Vertrauen". Russland verfüge "über die notwendige Erfahrung und die Kapazitäten, um Wettkämpfe auf höchstem Niveau auszurichten", sagte er: "Moskau hat bereits mehrfach bedeutende internationale Sportveranstaltungen ausgerichtet und verfügt über eine moderne Infrastruktur." 

Protest aus der Ukraine 

Kritik an der Entscheidung kommt aus der Ukraine. Sportminister Matwij Bidny schrieb in einer Stellungnahme auf Facebook, dass offizielle Einsprüche sowohl an den Internationalen Gewichtheberverband als auch an das Internationale Olympische Komitee vorbereitet würden. Dass Russland Gastgeber werden soll, sei "beschämend".

Der Sportminister der Ukraine, Matwij Bidnyj, im Porträt
Matwij Bidnyj, Sportminister der Ukraine, will sich gegen die Austragung der WM in der Ukraine einsetzenBild: Andreas Stroh/IMAGO

Es werde ein "gefährliches Signal ausgesendet: dass ein Land weiterhin Krieg führen und zugleich in die internationale Sportarena zurückkehren kann". Der Weltsport missachte Prinzipien und begünstige Straflosigkeit, so Bidny.

BVDG kritisiert WM-Vergabe nach Russland

Der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG)  erklärte schon unmittelbar nach der Entscheidung gegenüber der Deutschen Welle, dass es sich um eine "hochkomplexe Thematik" handle, "die eine sorgfältige Prüfung und Abwägung" erfordere. In dem ersten  Statement heißt es weiter: "Die Komplexität der Situation darf jedoch nicht dazu führen, dass die grundsätzlichen Fragen und die notwendige kritische Auseinandersetzung mit dieser Entscheidung ausbleiben."

In seiner späteren Stellungnahme bewertet der BVDG die Entscheidung des Weltverbandes IWF, die Weltmeisterschaften 2030 nach Moskau zu vergeben, als äußerst kritisch. "Vor dem Hintergrund des Angriffskriegs gegen die Ukraine sendet die Entscheidung, bereits heute eine Weltmeisterschaft nach Russland zu vergeben, aus Sicht des BVDG ein problematisches sportpolitisches Signal", teilte der Verband mit. Solange der Krieg andauere und Grundrechte eingeschränkt seien, setze "die jetzige Vergabe ein verfrühtes Signal der Normalisierung". Bis 2030 könnten sich die "Rahmenbedingungen erheblich verändern, der BVDG wird zu gegebener Zeit eine umfassende Neubewertung vornehmen", hieß es.

Russische Athletinnen und Athleten treten immer öfter wieder an

Aufgrund des staatlich gelenkten Dopingprogramms, das laut der Welt-Anti-Doping-Agentur bei den Olympischen Winterspielen 2014 zum Einsatz gekommen sein soll, sowie des Angriffskriegs gegen die Ukraine durften russische Sportlerinnen und Sportler bei internationalen Wettkämpfen lange Zeit nur unter verschiedenen Sonderstatus-Regelungen antreten, zum Beispiel als "individuelle neutrale Athleten". 

Die russische Gewichtheberin Kristina Sobol stemmt ein Gewicht
Die russische Gewichtheberin Kristina Sobol bei der Eröffnungsfeier der russischen Meisterschaft im Gewichtheben 2026 in MoskauBild: Alexander Shcherbak/ITAR-TASS/IMAGO

Im Juli 2026 lockerte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Beschränkungen und ebnete ihnen den Weg, an Qualifikationswettkämpfen für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles teilzunehmen. Die Ukraine legte beim Internationalen Sportgerichtshof Berufung ein.

Im Gewichtheben hatte der IWF bereits Ende Juni erklärt, dass russische Gewichtheberinnen und Gewichtheber wieder an seinen Wettbewerben teilnehmen dürfen. Der Verband würde den neuen Empfehlungen des IOC folgen und betonte die Wichtigkeit, Athletinnen und Athleten "faire Chancen" zu bieten, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. 

Es ist allerdings nicht die einzige Sportart, in der russische Athletinnen und Athleten auf die internationale Bühne zurückkehren. Bei den Winter Paralympics 2026 nahmen sechs von ihnen unter eigener Flagge teil. Und auch bei der FIFA U-15 WM in Aserbaidschan ist Russland dabei.

Dieser Artikel wurde am 30.10.2026 mit der BVDG-Stellungnahme aktualisiert.

Redaktion:Calle Kops