Malaysia: Hoffnung für Borneos bedrohte Zwergelefanten
Nur noch rund 1000 Borneo-Elefanten leben in freier Wildbahn. Naturschützer setzen auf Tracking-Technologie und Aufklärung, um ihr Überleben zu sichern.

Tierschutz im Norden Borneos
Tief im Borneo-Dschungel Malaysias ziehen kleine Herden von Borneo-Elefanten durch die sattgrünen Wälder. Von der stark bedrohten Art leben nur noch rund 1000 Tiere in freier Wildbahn. Doch auch im Norden der Insel wird der Lebensraum immer knapper, sodass Konflikte zwischen Mensch und Tier zunehmend unvermeidlich werden.
Tierische Nachbarschaft
Die verbliebenen Urwaldflächen der Borneo-Elefanten grenzen oft direkt an Dörfer und Palmölplantagen. Gelangen die Tiere auf Privatgrundstücke oder in Siedlungen, sind Konflikte kaum zu vermeiden. Erst kürzlich zog eine Herde von 20 Elefanten durch mehrere Plantagen und drei Dörfer. Viele Bewohner reagierten verärgert und besorgt, sie fühlten sich durch die Nähe der Tiere verunsichert.
Engagierter Umweltschutz
Naturschützerin Farina Orthman erforscht seit Jahren die Zwergelefanten Borneos und engagiert sich für ihren Schutz. Ein spezielles Programm soll das Zusammenleben von Elefanten, Plantagenbesitzern und Anwohnern verbessern und Konflikte reduzieren. Dafür werden die Tiere mit Tracking-Halsbändern ausgestattet und die Bewegungen der Herden genau überwacht.
Sichere Korridore für Elefanten
Ziel des von Farina entwickelten Programms ist es, sichere Korridore für die rund 160 Elefanten am Kinabatangan-Fluss zu schaffen. Neben dem Ausbau der Routen für die Tiere soll die Akzeptanz in der Bevölkerung gestärkt werden. Die Tierschutzorganisation Seratu Aatai informiert in Schulen und setzt lokale Wildtierschützer ein, die Elefanten aus Siedlungen zurückführen.
Tierschutz mit GPS-Sendern
Schnell und mit gekonnten Handgriffen legt das Team einem leicht betäubten Elefanten das Tracking-Halsband an und entnimmt einige Blutproben. Nur etwa 30 Minuten bleiben für die Prozedur, bevor das Betäubungsmittel nachlässt und das Tier zu seiner Herde zurückkehren kann.
Der Lebensraum ist knapp
Borneo-Elefanten haben in den vergangenen 40 Jahren durch Abholzung und die Ausweitung von Ölpalmenplantagen mehr als 60 Prozent ihres Lebensraums verloren. Vertreter der Palmölbranche kritisieren, dass Plantagenbesitzer, die sich für Natur- und Artenschutz einsetzen, zu wenig Anerkennung und finanzielle Unterstützung erhalten, auch von westlichen Palmölkäufern.
Friedliche Koexistenz
Farina blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Früher, sagt sie, hätten die Einheimischen oft das malaiische Wort "halau" genutzt, was "verjagen" oder "vertreiben" bedeutet, wenn sie über Elefanten sprachen. Die "Elefantenflüsterin von Borneo" arbeitet unermüdlich daran, dass die Menschen Elefanten in Zukunft nicht mehr vertreiben, sondern sicher aus besiedelten Gebieten herausbegleiten.