Spaniens Wohnungsnot: Maricarmen wird zum Symbol der Krise
Die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal löst in Spanien Massenproteste gegen hohe Mieten aus. Nun darf die Rentnerin in ihre Madrider Wohnung zurück - doch der Kampf um bezahlbaren Wohnraum geht weiter.

Auf der Trage aus ihrem Zuhause
70 Jahre lang war eine Wohnung im Madrider Viertel Retiro das Zuhause von Maricarmen Abascal. Dann wurde die 87-Jährige, die auf einen Rollstuhl angewiesen war, auf einer Trage aus dem Gebäude gebracht. "Ich habe hier 71 Jahre gelebt und will nicht gehen", sagte sie. Bilder der Räumung verbreiteten sich im ganzen Land. Aus dem Schicksal der Rentnerin wurde ein Symbol der Wohnungskrise in Spanien.
Eine Miete, die alles verändert
Maricarmen hat ihre Miete nach Angaben ihrer Unterstützer stets bezahlt. Nach einem Eigentümerwechsel soll die Monatsmiete jedoch von rund 500 auf 2650 Euro gestiegen sein - für die Rentnerin unbezahlbar. Nach der Zwangsräumung kam sie erschöpft ins Krankenhaus. Gleichzeitig wächst draußen die Empörung über ihren Fall - wie bei diesem Massenprotest in Madrid.
Madrid schlägt seine Zelte auf
Auf der Puerta del Sol entstand nachts ein Protestcamp. Rund 100 Zelte standen auf einem der bekanntesten Plätze Madrids, Zehntausende zogen durch die Straßen. Sie forderten niedrigere Mieten und besseren Schutz vor Zwangsräumungen. Eine 29-jährige Bewohnerin verbrachte die Nacht auf dem Platz. Es müsse Schluss damit sein, Kapital und Investmentfonds über die Menschen zu stellen, sagte sie.
Proteste von Madrid bis Barcelona
Auch wenn Maricarmen wieder in ihr Zuhause zurückkehren kann, verstummen die Proteste nicht. Auch in Vigo, Málaga und Barcelona gingen Menschen auf die Straße. Gefordert wurden ein Mietpreisstopp, unbefristete Verträge und mehr Schutz vor Räumungen - um zu verhindern, dass sich Maricarmens Schicksal wiederholt.
Spaniens Regierung unter Zugzwang
Der Protest erreicht mittlerweile auch die Politik. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez arbeitet an neuen Maßnahmen gegen die Wohnungsnot. Doch eine Mehrheit im Parlament ist keineswegs sicher; ein ähnlicher Vorstoß scheiterte bereits. Die Demonstrierenden verlangen deshalb strukturelle Veränderungen statt kurzfristiger Lösungen.
"Es ist ein Dschungel"
Gerade auch für viele jüngere Spanierinnen und Spanier ist eine eigene Wohnung kaum noch erreichbar. "Es war wie ein Dschungel", sagte eine 32-jährige Lehrerin über ihre Suche. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die durchschnittliche Angebotsmiete pro Quadratmeter nahezu verdoppelt. Gleichzeitig fehlten Hunderttausende Wohnungen landesweit.
Eine Heimkehr mit Symbolkraft
Nach Tagen voller Angst zeichnet sich für Maricarmen ein versöhnliches Ende ab: Sie kann in ihre Wohnung zurückkehren. Ihre Anwältin Beatriz Duro spricht von einer Einigung mit den Eigentümern. Die neue Miete werde etwa auf dem bisherigen Niveau liegen. Für Duro ist der Durchbruch auch ein Ergebnis der Proteste. Sobald die Rentnerin das Krankenhaus verlassen kann, zieht sie heim.