São Tomé: Das süße Comeback der Vanille
São Tomé ist für seinen Kakao bekannt. Doch jetzt erlebt auf der Insel vor Zentralafrikas Küste ein anderes Luxusprodukt ein Comeback: Vanille, das zweitteuerste Gewürz der Welt.

Ein neues Geschäft mit Vanille
Ifrasio de Barros Rompao ist Landwirt auf São Tomé, der größeren Hauptinsel des Inselstaats São Tomé und Príncipe. Während seine Mutter Kakao anbaute, setzt er auf Vanille und hat in den Anbau der grünen Schoten investiert. "Vanille ist für mich finanziell gesehen unverzichtbar", sagt er. Auf seinem Grundstück in Abade, im Zentrum der Insel, wachsen die Vanillepflanzen an einem bewaldeten Hang.
Vanilleanbau soll Erträge steigern
Um sein Einkommen zu verbessern, hat der Landwirt erst vor Kurzem mit dem Vanilleanbau begonnen. Auf São Tomé, das vor allem für seinen Kakao bekannt ist, erlebt das Gewürz derzeit ein Comeback. "Ich habe zu Hause eine große Familie, und mit dieser Ernte schaffe ich es, für unseren Lebensunterhalt zu sorgen", erzählt er. Nach Safran gilt Vanille als das zweitteuerste Gewürz der Welt.
Eine Nische mit Potenzial
Der portugiesischsprachige Inselstaat, einst als „Schokoladeninseln“ bekannt, war Anfang des 20. Jahrhunderts der weltweit größte Kakaoproduzent. Die 1876 eingeführte Vanille spielte lange kaum eine Rolle. Zuckerrohr, Kakao und Kaffee hatten Vorrang. Doch angesichts schwankender Kakaopreise und überalterter Plantagen setzt São Tomé nun auf Vanille, um seine Wirtschaft breiter aufzustellen.
Von der Insel in die Feinkostläden Europas
"Nur Safran erzielt höhere Preise als Vanille. Das verschafft den Bauern ein zusätzliches Einkommen", erklärt Juliette Dohar, Mitgründerin von L’Atelier Vanilha gegenüber der Agentur AFP. Das vor sieben Jahren gestartete Projekt fördert eine hochwertige Vanilleproduktion auf São Tomé. Die Organisation kauft die Schoten von rund 50 Landwirten, verarbeitet sie vor Ort und exportiert sie nach Europa.
Handarbeit für das besondere Aroma
Die Herstellung der Vanille ist aufwendig: Bis zur ersten Blüte können drei bis vier Jahre vergehen. Nach der Ernte werden die Schoten in einem langwierigen Prozess verarbeitet "Wir befinden uns in einer sehr feuchten Umgebung. Daher müssen wir einen Teil der Feuchtigkeit relativ schnell aus den Schoten entfernen“, erklärt Francesco Mai, Mitgründer von L’Atelier Vanilha.
Von der grünen Schote zur edlen Vanille
Nach der Ernte trocknen die grünen Vanilleschoten zunächst in der Sonne. Anschließend werden sie in Innenräumen über mehrere Monate hinweg weiterverarbeitet. Dabei werden sie mit heißem Wasser behandelt, fermentiert, massiert und gereift. Die Schoten verfärben sich dabei von Grün zu Dunkelbraun und entwickeln nach und nach ihr charakteristisches Aroma.
Qualität statt Quantität
"Bei voller Auslastung liegen wir bei etwa 300 Kilogramm. Das sind sehr kleine Mengen. Aber unser Ziel ist es, hohe Qualität zu erreichen", sagt Dohar. Das Unternehmen richtet sich an einen exklusiven Markt: Feinkostgeschäfte und Sternerestaurants in Frankreich, der Schweiz und Belgien. Die weltweit größten Vanilleproduzenten Madagaskar und Indonesien kommen zusammen auf rund 3000 Tonnen pro Jahr.
Gemeinsam zum Erfolg
Die Verarbeitung der Vanille erfordert Geduld und sorgfältige Handarbeit. Bauern und die Mitarbeiter vor Ort arbeiten dabei eng zusammen. Noch steckt der Vanilleanbau auf São Tomé in den Anfängen. Doch in der europäischen Spitzengastronomie wird das Gewürz schon heute für sein außergewöhnliches Aroma geschätzt.