Ständige Stromausfälle bedrohen Existenzen in Gambia
Im gambischen Küstenort Tanji bestimmen stundenlange Stromausfälle zunehmend den Alltag. Fisch verdirbt, Kühlboxen bleiben leer und die Lebensgrundlage vieler Menschen gerät in Gefahr.

Schwierige Konservierung
Im gambischen Küstenort Tanji säubert Sirah Darboe-Manneh frisch gefangene Fische - doch die Kühlboxen bleiben leer. Wegen anhaltender Stromausfälle fehlt es an Eis, um den täglichen Fang frisch zu halten. Seit Juni leidet das kleine westafrikanische Land Gambia unter immer längeren Blackouts. In der heißesten Zeit des Jahres hat sich die Lage zuletzt dramatisch verschärft.
Proteste gegen den Blackout
In der vergangenen Woche kam es zwei Nächte lang zu spontanen Protesten und chaotischen Szenen. Demonstrierende blockierten Straßen und forderten Präsident Adama Barrow zum Rücktritt auf – nur wenige Monate vor seiner geplanten Kandidatur für eine dritte Amtszeit. Die Stromausfälle dauern teils zwölf bis 48 Stunden und stürzen die Menschen in dem bitterarmen Land nachts in drückende Dunkelheit.
Ohne Strom kein frischer Fisch
Geschäfte mussten schließen, Krankenhäuser auf Generatoren zurückgreifen, die teilweise ebenfalls ausfielen. Die Bevölkerung versucht verzweifelt, Lebensmittel zu kühlen oder Handys zu laden. In manchen Regionen fiel zudem bis zu 24 Stunden lang die Wasserversorgung aus. In Tanji, dem größten Fischereihafen Gambias, wird der Gestank verrottender Fänge zunehmend zum Problem.
Eispreise steigen
"Die Kunden bleiben weg. Sie kaufen keinen Fisch mehr, weil sie keine Möglichkeit haben, ihn zu lagern“, berichtet die 31-jährige Fischhändlerin Darboe-Manneh. Die sechsfache Mutter hat deshalb zu Beginn des neuen Schuljahres kaum Geld für die Schulsachen ihrer Kinder. Gleichzeitig hat sich der Eispreis mehr als verdoppelt, da auch die Anbieter wegen des Strommangels kaum Eis herstellen können.
Alles hängt zusammen
Im westgambischen Sukuta betreibt Amadou Gaye eine elektrische Mühle, in der Hirse für Brei und das lokale Gericht Chere gemahlen wird. Doch wegen der Stromausfälle steht sie häufig still. "Die Menschen leben von der Hirse, wir vom Strom“, sagt der 40-Jährige. Der Lebensmittelhandel leidet auch, weil den Menschen zunehmend das Geld fehlt.
Staatliche Bemühungen
Angesichts des wachsenden Unmuts verspricht Präsident Adama Barrow, die Stromversorgung bis Ende Oktober zu verbessern. Dann soll eine neue 24-Megawatt-Anlage zur Stromerzeugung in Brikama in Betrieb gehen. Zudem wurde ein Vertrag für ein 50-Megawatt-Solarkraftwerk in Soma vergeben. Eine eigens eingerichtete Taskforce soll zudem täglich an kurzfristigen Lösungen arbeiten.
Notfallbeleuchtung
Ein Straßenhändler beleuchtet seine Waren mit einer von einer Powerbank gespeisten Leuchte. Gambias Energieversorger NAWEC führt die Stromausfälle auf den hohen Verbrauch bei großer Hitze, Einschränkungen bei Stromimporten und einen technischen Defekt zurück. Präsident Barrow räumte zudem Schulden beim senegalesischen Stromversorger Senelec ein, die die Stabilisierung der Versorgung erschweren.